5 Prompts, die ich als Krebspatientin täglich nutze
Hinweis: Dieser Artikel gibt persönliche Erfahrungen und allgemeine Informationen wieder. Er ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an dein Behandlungsteam.
Ich bekomme oft die Frage: "Wie nutzt du KI eigentlich konkret?"
Die ehrliche Antwort: sehr unterschiedlich. Es kommt absolut auf den Kontext an.
Manchmal brauche ich etwas in wenigen Minuten erklärt. Manchmal helfe ich mir dabei, eine schwierige Situation zu formulieren. Manchmal brauche ich einfach Struktur in einem Moment, in dem ich keine habe.
KI ist für mich kein Alleskönner. Aber für bestimmte Aufgaben ist sie erstaunlich nützlich.
Hier sind die fünf Prompts, die ich am häufigsten nutze – und die ich auch in meinen Workshops weitergebe. Ich erkläre nicht nur den Prompt selbst, sondern auch warum er so formuliert ist und worauf ich bei der Nutzung achte.
Was ist ein Prompt – und warum macht die Formulierung einen Unterschied?
Bevor ich zu den konkreten Prompts komme, kurz zur Grundlage: Ein Prompt ist die Eingabe, die ich der KI mache. Also das, was ich schreibe, bevor ich auf Enter drücke.
Und der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Prompt ist enorm.
"Was ist Krebs?" bekommt eine allgemeine Wikipedia-ähnliche Antwort.
"Ich habe gerade erfahren, dass ich einen Tumor im Stadium II habe. Meine Onkologin hat den Begriff 'neoadjuvante Chemotherapie' verwendet. Erkläre mir, was das bedeutet und welche Fragen ich dazu stellen sollte" bekommt eine kontextualisierte, nützliche Antwort.
Je mehr Kontext ich gebe und je klarer ich sage, was ich brauche, desto hilfreicher ist die Antwort. Das ist das Grundprinzip, das hinter allen meinen Prompts steckt.
Prompt 1: Medizinische Begriffe erklären
Der Prompt:
"Ich habe folgenden Begriff in einem medizinischen Dokument gelesen: [Begriff]. Bitte erkläre ihn in einfacher Sprache. Nenne auch, welche Fragen sich ergeben könnten, die ich mit meiner Ärztin besprechen sollte. Was könnte ich missverstehen?"
Wann ich ihn nutze: Immer dann, wenn ich einen Arztbrief oder einen Befund vor mir habe und auf Begriffe stoße, die ich nicht einordnen kann. Das passiert mir regelmäßig, auch nach Jahren.
Warum ich so frage: Der Zusatz "Was könnte ich missverstehen?" ist einer meiner wichtigsten Formulierungskniffe. Er bringt die KI dazu, mich auf typische Fehlinterpretationen hinzuweisen, anstatt nur zu erklären. Das schützt mich davor, etwas falsch einzuordnen.
Was ich beachte: Ich gebe den Begriff ein, nicht den ganzen Brief. Und ich nutze die Erklärung als Orientierung, nicht als Diagnose. Die Einordnung in meinen konkreten Fall ist Aufgabe meines Behandlungsteams.Prompt 1: Medizinische Begriffe erklären
„Ich habe folgenden Begriff in einem medizinischen Dokument gelesen: [Begriff]. Bitte erkläre ihn in einfacher Sprache. Nenne auch, welche Fragen sich ergeben könnten, die ich mit meiner Ärztin besprechen sollte. Was könnte ich missverstehen?”
Wann ich ihn nutze: Immer dann, wenn ich einen Arztbrief oder einen Befund vor mir habe und auf Begriffe stoße, die ich nicht einordnen kann.
Was ich beachte: Ich gebe den Begriff ein – nicht den ganzen Brief. Und ich nutze die Erklärung als Orientierung, nicht als Diagnose.
Prompt 2: Arztgespräch vorbereiten
Der Prompt: "Ich habe eine Krebserkrankung und habe in einer Woche ein Gespräch mit meiner Onkologin über [Thema]. Welche Fragen sollte ich unbedingt stellen? Was vergessen Patient:innen in solchen Gesprächen häufig zu fragen? Was musst du noch wissen, um mir besser helfen zu können?"
Wann ich ihn nutze: Vor jedem wichtigen Gespräch. Das Ergebnis ist eine Liste mit Fragen – manche davon kannte ich, manche kommen mir nicht alleine in den Sinn.
Warum ich so frage: Die Frage "Was musst du noch wissen?" am Ende ist bewusst gewählt. Sie lädt die KI ein, Rückfragen zu stellen, die das Ergebnis verbessern. Manchmal fragt sie nach dem Stadium, nach bisherigen Therapien, nach spezifischen Symptomen – und die Fragen werden dadurch viel präziser.
Was das bringt: Ich gehe vorbereitet in Gespräche, in denen ich früher vielleicht einfach genickt hätte. Die Zeit mit der Onkologin ist begrenzt. Wenn ich weiß, was ich fragen will, nutze ich sie besser.
Prompt 3: Schwierige Situation formulieren
Der Prompt: "Ich muss [einer bestimmten Person] erklären, wie es mir gerade geht. Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Kannst du mir helfen, das in zwei bis drei Sätzen zu formulieren? Ich möchte ehrlich sein, aber auch nicht dramatisch klingen."
Wann ich ihn nutze: Wenn ich mit Freund:innen, Familie oder Kolleg:innen sprechen muss und nicht weiß, wie ich anfangen soll. Wenn ich nach einem schwierigen Termin jemandem schreibe. Wenn ich eine Nachricht aufsetzen will, die ich schon seit Tagen vor mir herschiebe.
Warum das hilft: In belastenden Phasen kostet das Formulieren von Nachrichten unverhältnismäßig viel Energie. KI gibt mir einen Ausgangspunkt. Ich muss nicht bei null anfangen.
Was ich beachte: Ich passe die Formulierung immer an. Die KI gibt mir einen Entwurf, nicht das fertige Ergebnis. Meine Stimme soll erkennbar bleiben.
Prompt 4: Nebenwirkungen einordnen
Der Prompt: "Ich erlebe seit [Zeitraum] folgendes Symptom: [Beschreibung]. Ist das bekannt als mögliche Nebenwirkung bei Krebstherapien? Wie wird das in der Regel eingestuft, wann sollte man es umgehend melden? Bitte sei ehrlich, wenn du dir nicht sicher bist."
Wann ich ihn nutze: Wenn ich ein neues oder stärker werdendes Symptom bemerke und einschätzen möchte, ob ich sofort handeln muss oder abwarten kann.
Warum der Zusatz "Bitte sei ehrlich, wenn du dir nicht sicher bist" wichtig ist: KI neigt dazu, selbstsicher zu klingen, auch wenn die Datenlage dünn ist. Dieser Zusatz bringt sie dazu, Unsicherheiten explizit zu benennen – und das ist bei medizinischen Fragen besonders wichtig.
Was ich beachte: KI kann allgemeine Informationen zu Nebenwirkungen geben. Sie kann nicht beurteilen, wie ein Symptom in meinem spezifischen Kontext einzuordnen ist. Zudem kann die KI halluzinieren, bitte überprüfe die Antworten immer. Bei Unsicherheit rufe ich immer an – beim Onkologieteam oder, nachts und am Wochenende, beim onkologischen Notdienst.
Prompt 5: Zusammenfassung für andere erstellen
Der Prompt: "Ich möchte eine kurze Zusammenfassung meiner Erkrankungssituation erstellen, die ich [einem neuen Arzt / einer Krankenkasse / einer Beratungsstelle] schicken kann. Kannst du mir helfen, folgende Informationen klar und sachlich zusammenzufassen? [Dann stichpunktartig einfügen, ohne identifizierende Daten]"
Wann ich ihn nutze: Wenn ich Informationen zu meiner Erkrankung an eine neue Stelle weitergeben muss und keine Energie habe, das selbst zu formulieren. Oder wenn ich eine neue Ärztin treffe und ihr schnell einen Überblick geben möchte.
Was das bringt: Es spart Zeit. Und es stellt sicher, dass ich nichts Wichtiges vergesse. Die KI bringt Struktur in Informationen, die ich in Stichpunkten habe.
Was ich beachte: Ich gebe keine vollständigen Namen oder Versicherungsnummern ein. Ich beschreibe den Sachverhalt ohne eindeutig identifizierende Daten.
Was alle fünf Prompts gemeinsam haben
Sie ersetzen keine medizinischen Entscheidungen. Sie ersetzen keine Gespräche. Sie helfen mir, diese Gespräche besser zu führen – mit mehr Vorbereitung, mehr Klarheit, mehr Energie für das, was zählt. Das ist der Mehrwert, den KI für mich hat.
Und noch etwas: Ich hinterfrage die Antworten immer. Wenn mir etwas merkwürdig vorkommt, frage ich nach. Wenn ich mir unsicher bin, spreche ich mit meinem Behandlungsteam. KI ist ein Werkzeug. Ich bin diejenige, die entscheidet, was ich damit mache.
Drei weitere Prompts, die mir gelegentlich helfen
Neben meinen fünf Hauptprompts gibt es ein paar weitere, die ich in bestimmten Situationen nutze:
Für Behördenbriefe und Krankenkassenkommunikation:"Ich muss einen Widerspruch gegen eine Entscheidung meiner Krankenkasse formulieren. Kannst du mir helfen, das sachlich und klar zu schreiben? [Situation beschreiben]"
Für die Vorbereitung auf eine Zweitmeinung:"Ich möchte eine Zweitmeinung zu meiner Diagnose einholen. Welche Unterlagen sollte ich mitbringen? Welche Fragen sind in einem Zweitmeinungsgespräch besonders wichtig?"
Für die Kommunikation mit dem Arbeitgeber:"Ich muss meinem Arbeitgeber mitteilen, dass ich krankheitsbedingt [Zeitraum] nicht verfügbar sein werde. Ich möchte dabei professionell bleiben, ohne zu viele Details zu teilen. Kannst du mir helfen, das zu formulieren?"
Häufige Fragen zum Thema Prompts und KI
Welche KI ist für diese Prompts am besten geeignet?
ChatGPT, Claude, Perpelxity, Mistral AI, Gemini funktionieren alle für diese Anwendungsfälle. Ich nutze überwiegend Claude für längere und komplexere Texte und ChatGPT für schnelle Erklärungen. Die Qualität der Antworten hängt weniger vom Tool ab als von der Qualität des Prompts.
Muss ich mich anmelden, um KI zu nutzen?
Nein. ChatGPT und Claude sind beide ohne Konto nutzbar , mit eingeschränkten Funktionen. Für regelmäßige Nutzung lohnt sich ein kostenloses Konto, weil man dann den Gesprächsverlauf behalten und auf frühere Gespräche zugreifen kann.
Kann ich die Prompts einfach kopieren?
Ja, das kannst du machen. Ersetze die Platzhalter in eckigen Klammern durch deine konkrete Situation. Und dann: Schau, was passiert. Frag nach, wenn die Antwort nicht das ist, was du brauchst. Das ist nur ein Vorschlag, der für mich funktioniert.
Was mache ich, wenn die KI-Antwort mich mehr verwirrt?
Frag noch einmal, einfacher: "Erkläre das wie für jemanden ohne jedes Vorwissen." Oder frag nach einem konkreten Beispiel. Wenn es danach immer noch unklar ist, ist das ein Zeichen, dass du diese Frage direkt beim Behandlungsteam stellen solltest.
Darf ich der KI sagen, dass ich Krebs habe?
Ja. Ich empfehle dabei, keine vollständigen Namen oder Versicherungsdaten einzugeben – aber die Diagnose selbst kannst du nennen. Mehr dazu erkläre ich in meinem Artikel Datenschutz: Was darf ich der KI eigentlich erzählen?
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Über die Autorin: Franziska Ivens ist KI-Expertin und selbst Krebspatientin. Sie gibt Keynotes, leitet Workshops für Patientenorganisationen und zeigt, wie KI im Krebsalltag konkret helfen kann — ohne Hype, mit Haltung. → LinkedIn