Blutwerte, Operationen und Nebenwirkungen bei Krebs verständlich erklärt
Hinweis: Dieser Artikel gibt allgemeine Informationen wieder und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Erklärungen sind allgemein gehalten und nicht auf deinen individuellen Fall anwendbar. Bei Fragen zu deiner Diagnose oder Behandlung wende dich bitte an dein Behandlungsteam.
Während einer Krebsbehandlung begegnen dir viele Begriffe, die mit Blutwerten, Operationen oder Nebenwirkungen zu tun haben. Manche stehen im Laborbefund, andere im OP-Bericht oder im Gespräch über mögliche Begleiterscheinungen der Therapie. Dieser Artikel sammelt die entsprechenden Begriffe aus dem Glossar.
Die Themenbereiche im Überblick
Laborwerte — Erythrozyten, Hämoglobin, Leukozyten, Thrombozyten
Operation — R0-Resektion, Resektion, Sentinel-Lymphknoten
Nebenwirkungen — Anämie, Fatigue, Knochenmarkdepression, Mukositis, Neutropenie, Thrombozytopenie
Symptome — Aszites, Kachexie, Pleuraerguss
Laborwerte
Werte aus dem Blutbild, die während einer Behandlung regelmäßig kontrolliert werden.
Erythrozyten
Rote Blutkörperchen — transportieren Sauerstoff
Erythrozyten sind die roten Blutkörperchen. Ihre Hauptaufgabe ist der Transport von Sauerstoff von der Lunge zu den Organen. Bei zu wenigen Erythrozyten spricht man von Anämie (Blutarmut), was zu Müdigkeit und Schwäche führt. Der Wert wird im Blutbild gemessen.
Fragen, die du stellen kannst:
Wie sind meine Erythrozyten-Werte?
Was bedeutet das für meine Sauerstoffversorgung?
Muss etwas dagegen getan werden?
Hämoglobin
Roter Blutfarbstoff der Sauerstoff bindet
Hämoglobin (Hb) ist der rote Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen, der Sauerstoff bindet und transportiert. Ein niedriger Hb-Wert bedeutet Blutarmut (Anämie) und kann Müdigkeit, Blässe und Kurzatmigkeit verursachen. Der Hb-Wert ist einer der wichtigsten Werte im Blutbild.
Fragen, die du stellen kannst:
Wie hoch ist mein Hämoglobin-Wert?
Habe ich eine Blutarmut?
Was kann meinen Hb-Wert verbessern?
Leukozyten
Weiße Blutkörperchen — für die Immunabwehr
Leukozyten sind die weißen Blutkörperchen. Sie sind wichtig für die Abwehr von Infektionen. Bei einer Chemotherapie können die Leukozyten absinken (Leukopenie), was das Infektionsrisiko erhöht. Eine wichtige Untergruppe sind die Neutrophilen. Der Wert wird im Blutbild gemessen.
Fragen, die du stellen kannst:
Wie sind meine Leukozyten-Werte?
Bin ich aktuell infektanfällig?
Worauf muss ich bei niedrigen Werten achten?
Thrombozyten
Blutplättchen — wichtig für die Blutgerinnung
Thrombozyten sind die Blutplättchen. Sie sorgen dafür, dass das Blut bei Verletzungen gerinnt und Blutungen gestoppt werden. Der Normalwert liegt etwa zwischen 140.000 und 440.000 pro Mikroliter. Bei zu wenigen Thrombozyten (Thrombozytopenie) steigt das Blutungsrisiko.
Fragen, die du stellen kannst:
Wie sind meine Thrombozyten-Werte?
Habe ich ein erhöhtes Blutungsrisiko?
Was muss ich bei niedrigen Werten beachten?
Operation
Begriffe rund um operative Eingriffe.
R0-Resektion
Vollständige Entfernung des Tumors ohne Tumorreste
R0 bedeutet, dass der Tumor vollständig entfernt wurde und an den Schnitträndern keine Krebszellen mehr nachweisbar sind — das beste mögliche Operationsergebnis. R1 bedeutet, dass mikroskopisch noch Tumorzellen am Rand sichtbar sind. R2 bedeutet, dass sichtbar Tumor zurückgeblieben ist.
Fragen, die du stellen kannst:
Wurde bei mir eine R0-Resektion erreicht?
Was bedeutet das Ergebnis für meine weitere Behandlung?
Ist eine weitere Operation nötig wenn R0 nicht erreicht wurde?
Resektion
Operative Entfernung von Gewebe oder eines Organs
Resektion bedeutet die operative Entfernung von Gewebe — zum Beispiel eines Tumors oder eines Teils eines Organs. Bei einer Krebsoperation wird in der Regel ein Sicherheitsabstand aus gesundem Gewebe mitentfernt, um sicherzustellen, dass keine Krebszellen zurückbleiben.
Fragen, die du stellen kannst:
Welches Gewebe wird bei mir genau entfernt?
Welcher Sicherheitsabstand ist geplant?
Welche Funktionseinschränkungen sind nach der Resektion zu erwarten?
Sentinel-Lymphknoten
Wächterlymphknoten — der erste Lymphknoten im Abflussgebiet des Tumors
Der Sentinel-Lymphknoten (Wächterlymphknoten) ist der erste Lymphknoten, zu dem ein Tumor entwässert. Er wird bei einer Operation entnommen und untersucht. Wenn er keine Krebszellen enthält, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch weitere Lymphknoten tumorfrei sind — und eine aufwändige Lymphknotenentfernung kann vermieden werden.
Fragen, die du stellen kannst:
Wird bei mir eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie durchgeführt?
Was passiert wenn der Sentinel-Lymphknoten befallen ist?
Welche Risiken hat die Entfernung von Lymphknoten?
Nebenwirkungen
Begriffe für mögliche Begleiterscheinungen einer Therapie.
Anämie
Blutarmut — zu wenige rote Blutkörperchen
Anämie bedeutet, dass zu wenige rote Blutkörperchen vorhanden sind oder diese zu wenig Sauerstoff transportieren. Bei Krebspatient:innen kann Anämie durch die Erkrankung selbst oder durch Chemotherapie entstehen, die die Blutbildung im Knochenmark beeinträchtigt. Typische Symptome sind Müdigkeit, Blässe und Kurzatmigkeit.
Fragen, die du stellen kannst:
Habe ich eine Anämie und wie stark ist sie?
Was verursacht meine Anämie — die Erkrankung oder die Therapie?
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Fatigue
Tumorbedingte Erschöpfung — weit mehr als normale Müdigkeit
Krebs-Fatigue ist eine anhaltende, tiefe Erschöpfung, die sich durch Schlaf nicht bessert. Sie ist eine der häufigsten und belastendsten Nebenwirkungen bei Krebs und Krebstherapien und kann körperlich, geistig und emotional sein. Fatigue ist medizinisch anerkannt — kein Zeichen von Schwäche.
Fragen, die du stellen kannst:
Wie stark ist meine Fatigue und was verursacht sie?
Was kann ich selbst gegen die Fatigue tun?
Gibt es Behandlungsmöglichkeiten für meine Fatigue?
Knochenmarkdepression
Unterdrückung der Blutzellbildung im Knochenmark durch Therapie
Knochenmarkdepression (auch Knochenmarksuppression) bedeutet, dass die Blutzellbildung im Knochenmark durch Chemotherapie oder Bestrahlung beeinträchtigt wird. Das führt zu weniger roten Blutkörperchen (Anämie), weißen Blutkörperchen (Infektanfälligkeit) und Blutplättchen (Blutungsrisiko). Blutbilder werden regelmäßig kontrolliert.
Fragen, die du stellen kannst:
Welche meiner Blutwerte sind betroffen?
Welche Einschränkungen habe ich dadurch im Alltag?
Wann erholen sich die Werte typischerweise?
Mukositis
Schmerzhafte Schleimhautentzündung — häufig im Mund durch Therapie
Mukositis ist eine Entzündung der Schleimhäute, die häufig als Nebenwirkung von Chemotherapie oder Strahlentherapie auftritt. Im Mund äußert sie sich als schmerzhafte Wunden, die das Essen und Trinken erschweren. Gute Mundpflege und ausreichend Flüssigkeit können vorbeugen oder lindern.
Fragen, die du stellen kannst:
Welche meiner Therapien erhöhen das Mukositis-Risiko?
Welche Mundpflegemaßnahmen werden empfohlen?
Was hilft wenn die Mukositis sehr schmerzhaft ist?
Neutropenie
Zu wenige weiße Blutkörperchen — erhöhte Infektanfälligkeit
Neutropenie bedeutet, dass die Anzahl der Neutrophilen — einer Art weißer Blutkörperchen — zu niedrig ist. Das passiert häufig durch Chemotherapie. Neutrophile sind wichtig für die Abwehr von Bakterien. Bei schwerer Neutropenie ist das Infektionsrisiko stark erhöht — Fieber muss dann sofort gemeldet werden.
Fragen, die du stellen kannst:
Wie niedrig sind meine Neutrophilen aktuell?
Ab wann sollte ich bei Fieber sofort anrufen?
Was kann ich tun um Infektionen zu vermeiden?
Thrombozytopenie
Zu wenige Blutplättchen — erhöhtes Blutungsrisiko
Thrombozytopenie bedeutet, dass zu wenige Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut vorhanden sind. Blutplättchen sind wichtig für die Blutgerinnung. Bei schwerer Thrombozytopenie kann es zu Blutungen kommen. Häufige Zeichen sind Blutergüsse, Zahnfleischbluten oder punktförmige Hautblutungen.
Fragen, die du stellen kannst:
Wie niedrig sind meine Blutplättchen aktuell?
Woran erkenne ich gefährliche Blutungen?
Welche Aktivitäten sollte ich bei niedriger Thrombozytenzahl vermeiden?
Symptome
Bezeichnungen für Beschwerden, die im Krankheitsverlauf auftreten können.
Aszites
Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum
Aszites ist eine Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum. Bei Krebs kann er entstehen, wenn Krebszellen die Bauchhöhle befallen oder die Leber betroffen ist. Er zeigt sich als aufgeblähter Bauch, Völlegefühl und manchmal Atemnot. Aszites kann durch Abpunktieren (Parazentese) gelindert werden.
Fragen, die du stellen kannst:
Warum habe ich Aszites?
Kann die Flüssigkeit abgepunktet werden?
Was kann getan werden um Aszites zu reduzieren?
Kachexie
Tumorbedingte Auszehrung mit starkem Gewichts- und Muskelverlust
Kachexie ist der Verlust von sowohl Fettgewebe als auch Skelettmuskulatur, der bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen auftreten kann. Sie entsteht durch einen veränderten Stoffwechsel und lässt sich nicht einfach durch mehr Essen bekämpfen. Spezielle ernährungsmedizinische Unterstützung kann helfen.
Fragen, die du stellen kannst:
Habe ich Kachexie und wie ausgeprägt ist sie?
Was kann ich ernährungsmäßig tun?
Sollte ich eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen?
Pleuraerguss
Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustkorb
Ein Pleuraerguss ist eine Flüssigkeitsansammlung im Raum zwischen Lunge und Brustkorb. Er kann bei verschiedenen Krebserkrankungen auftreten. Symptome sind Kurzatmigkeit, Husten und Druck in der Brust. Die Flüssigkeit kann durch eine Punktion abgeleitet werden.
Fragen, die du stellen kannst:
Warum habe ich einen Pleuraerguss?
Muss die Flüssigkeit abgepunktet werden?
Was kann getan werden um den Pleuraerguss zu behandeln?
Wie du diese Begriffe im Alltag nutzt
Weitere Artikel aus der Reihe:
Und wenn du den großen Überblick möchtest: In meinem kostenlosen Leitfaden fasse ich alles zusammen, was KI im Krebsalltag leisten kann — und was nicht. —> Leitfaden hier erhalten
Für verlässliche, geprüfte medizinische Informationen empfehle ich den kostenlosen Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (Telefon 0800 420 30 40, täglich 8–20 Uhr) sowie die Deutsche Krebshilfe.