Therapie-Begriffe bei Krebs: Chemotherapie, Immuntherapie, adjuvant und palliativ erklärt

Hinweis: Dieser Artikel gibt allgemeine Informationen wieder und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Erklärungen sind allgemein gehalten und nicht auf deinen individuellen Fall anwendbar. Bei Fragen zu deiner Diagnose oder Behandlung wende dich bitte an dein Behandlungsteam.

In der Krebsbehandlung tauchen viele Begriffe auf, die mehr beschreiben als nur eine Therapieform. Manche Begriffe sagen etwas über das Ziel der Behandlung, andere über den Zeitpunkt oder die Organisation der Therapie. Dieser Artikel sammelt die wichtigsten Begriffe rund um Krebstherapie, Medikamente und Behandlungsplanung.

Die Themenbereiche im Überblick

Therapie — Adjuvant, Antikörpertherapie, Chemotherapie, Hormontherapie, Immuntherapie, Neoadjuvant, Palliativ, Radiochemotherapie, Strahlentherapie, Targeted Therapy

Medikamente — Antiemetikum, Checkpoint-Inhibitor, G-CSF, Kortison, PARP-Inhibitor

Behandlung — Best Supportive Care, Kurativ, Nachsorge, Supportivtherapie, Tumorboard, Zyklus

Therapie

Die wichtigsten Behandlungsformen und ihre Bezeichnungen.

Adjuvant

Zusatztherapie nach der Hauptbehandlung

Adjuvant bedeutet, dass eine Behandlung zusätzlich zur Haupttherapie gegeben wird — meist nach einer Operation. Ziel ist es, verbliebene Krebszellen zu vernichten, die man nicht sehen kann. Zum Beispiel: Eine adjuvante Chemotherapie nach der Tumor-OP soll das Rückfallrisiko senken.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Warum brauche ich eine adjuvante Therapie — was würde ohne sie passieren?

  • Wie lange dauert die adjuvante Behandlung?

  • Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Antikörpertherapie

Behandlung mit künstlichen Antikörpern die gezielt Krebszellen angreifen

Antikörpertherapien nutzen im Labor hergestellte Antikörper, die gezielt an bestimmte Strukturen auf Krebszellen andocken und diese zerstören oder das Immunsystem zur Zerstörung anregen. Ein bekanntes Beispiel ist Trastuzumab (Herceptin) bei HER2-positivem Brustkrebs.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Welchen Antikörper bekomme ich und warum?

  • Hat mein Tumor die passenden Merkmale für diese Therapie?

  • Wie wird die Antikörpertherapie gegeben — als Infusion oder Spritze?

Chemotherapie

Medikamentöse Behandlung mit zellabtötenden Substanzen

Chemotherapie verwendet Medikamente, die schnell wachsende Zellen angreifen und abtöten — dazu gehören Krebszellen, aber auch einige gesunde Zellen wie Haarzellen oder Schleimhautzellen. Das erklärt typische Nebenwirkungen wie Haarausfall oder Übelkeit. Chemotherapien werden oft in Zyklen gegeben.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Welche Chemotherapie-Medikamente bekomme ich genau?

  • Wie viele Zyklen sind geplant und wie lange dauert jeder?

  • Welche Nebenwirkungen sind bei meiner Chemotherapie am häufigsten?

Hormontherapie

Behandlung die Hormone blockiert die das Tumorwachstum fördern

Manche Tumoren — besonders Brust- und Prostatakrebs — wachsen durch bestimmte Hormone. Die Hormontherapie (auch endokrine Therapie) blockiert diese Hormone oder ihre Wirkung auf die Krebszellen. Sie wird oft über mehrere Jahre eingenommen. Nebenwirkungen können Wechseljahrsbeschwerden oder Hitzewallungen sein.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Ist mein Tumor hormonsensitiv — wächst er durch Hormone?

  • Welches Hormontherapie-Medikament bekomme ich?

  • Wie lange werde ich die Hormontherapie nehmen?

Immuntherapie

Behandlung die das eigene Immunsystem gegen Krebs aktiviert

Immuntherapien helfen dem körpereigenen Immunsystem, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Krebszellen können sich vor dem Immunsystem verstecken — Immuntherapien heben diesen Schutz auf. Bekannte Immuntherapien sind sogenannte Checkpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab oder Nivolumab.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Warum ist Immuntherapie die richtige Wahl für meinen Tumor?

  • Welche Nebenwirkungen sind bei Immuntherapien typisch?

  • Wie lange werde ich die Immuntherapie erhalten?

Neoadjuvant

Therapie vor der Hauptbehandlung

Neoadjuvant bedeutet, dass eine Behandlung vor der eigentlichen Haupttherapie — meistens vor einer Operation — gegeben wird. Ziel ist es, den Tumor vorher zu verkleinern, damit die Operation einfacher oder organschonender durchgeführt werden kann.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Warum wird bei mir die Therapie vor der OP gegeben?

  • Wie wird geprüft, ob die neoadjuvante Therapie anschlägt?

  • Was passiert wenn der Tumor nicht wie erwartet schrumpft?

Palliativ

Behandlung zur Linderung von Beschwerden — nicht zur Heilung

Palliativ bedeutet nicht, dass aufgegeben wird. Es bedeutet, dass das Ziel der Behandlung die Linderung von Beschwerden und die Verbesserung der Lebensqualität ist — nicht die Heilung. Palliative Therapien können den Krebs kontrollieren, Schmerzen lindern und die Lebenszeit verlängern. Palliativmedizin kann sehr lange dauern.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Was genau sind die Ziele meiner palliativen Behandlung?

  • Welche Beschwerden können dadurch gelindert werden?

  • Wie unterscheidet sich meine Behandlung jetzt von vorher?

Radiochemotherapie

Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie

Bei der Radiochemotherapie werden Strahlentherapie und Chemotherapie kombiniert — oft gleichzeitig. Die Chemotherapie kann die Krebszellen empfindlicher für die Bestrahlung machen. Diese Kombination wird bei verschiedenen Krebsarten eingesetzt, kann aber auch stärkere Nebenwirkungen haben.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Warum wird bei mir die Kombination aus Bestrahlung und Chemo eingesetzt?

  • Welche Nebenwirkungen sind bei dieser Kombination zu erwarten?

  • Werden beide Therapien gleichzeitig oder nacheinander gegeben?

Strahlentherapie

Behandlung mit hochenergetischer Strahlung zur Zerstörung von Krebszellen

Strahlentherapie nutzt hochenergetische Strahlen, um Krebszellen zu zerstören oder ihr Wachstum zu stoppen. Sie wirkt lokal — nur der bestrahlte Bereich ist betroffen. Strahlentherapie kann alleine oder in Kombination mit Chemotherapie oder Operation eingesetzt werden.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Welcher Bereich wird bestrahlt und warum?

  • Wie viele Bestrahlungen sind geplant?

  • Welche Nebenwirkungen sind in meinem Bestrahlungsbereich zu erwarten?

Targeted Therapy

Zielgerichtete Therapie die spezifische Eigenschaften von Krebszellen angreift

Targeted Therapy — zielgerichtete Therapie — nutzt Medikamente, die gezielt bestimmte Merkmale von Krebszellen angreifen. Im Gegensatz zur Chemotherapie wirken sie spezifischer und schonen gesunde Zellen mehr. Voraussetzung ist, dass der Tumor die passenden Merkmale hat — das wird durch Tests festgestellt.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Hat mein Tumor die Merkmale für eine zielgerichtete Therapie?

  • Welches Medikament ist für mich vorgesehen?

  • Wie lange wirkt eine zielgerichtete Therapie typischerweise?

Medikamente

Wirkstoffe und Medikamentengruppen, die in der Behandlung eine Rolle spielen.

Antiemetikum

Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen

Antiemetika sind Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen verhindern oder lindern. Sie werden häufig vorbeugend vor Chemotherapie gegeben. Es gibt verschiedene Wirkstoffe — wenn einer nicht ausreicht, kann ein anderer probiert werden. Übelkeit bei Chemotherapie ist heute gut behandelbar.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Welche Antiemetika bekomme ich und wann?

  • Was kann ich tun wenn die Übelkeit trotzdem stark ist?

  • Kann ich auch zuhause Antiemetika nehmen?

Checkpoint-Inhibitor

Immuntherapie die Bremsen des Immunsystems löst

Checkpoint-Inhibitoren sind Medikamente, die bestimmte 'Bremsen' des Immunsystems lösen. Krebszellen nutzen diese Bremsen (Checkpoints), um sich vor dem Immunsystem zu verstecken. Der Inhibitor hebt diese Tarnung auf, sodass das Immunsystem die Krebszellen wieder angreifen kann. Beispiele sind Pembrolizumab oder Nivolumab.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Ist mein Tumor für eine Checkpoint-Inhibitor-Therapie geeignet?

  • Welche Nebenwirkungen muss ich beachten?

  • Woran erkenne ich eine immunbedingte Nebenwirkung?

G-CSF

Wachstumsfaktor der die Bildung weißer Blutkörperchen anregt

G-CSF (Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor) ist ein Medikament, das das Knochenmark anregt, mehr weiße Blutkörperchen zu bilden. Es wird eingesetzt, wenn die Chemotherapie die weißen Blutkörperchen zu stark senkt (Neutropenie). Es wird meist als Spritze unter die Haut gegeben.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Werde ich G-CSF bekommen und warum?

  • Wie und wann muss ich mir die Spritze geben?

  • Welche Nebenwirkungen hat G-CSF?

Kortison

Hormonpräparat mit entzündungshemmender Wirkung

Kortison (Kortikosteroide) wird bei Krebs aus verschiedenen Gründen eingesetzt: zur Bekämpfung von Entzündungen, zur Unterdrückung von Nebenwirkungen, zur Vorbeugung von Übelkeit oder als Teil der Therapie selbst. Bei längerer Anwendung kann Kortison eigene Nebenwirkungen haben.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Warum bekomme ich Kortison?

  • Wie lange werde ich Kortison nehmen?

  • Welche Nebenwirkungen kann Kortison bei mir verursachen?

PARP-Inhibitor

Zielgerichtetes Medikament besonders bei BRCA-Mutation

PARP-Inhibitoren sind Medikamente, die ein bestimmtes Reparatur-Enzym in Zellen blockieren. Krebszellen mit BRCA-Mutation können sich dann nicht mehr selbst reparieren und sterben ab. Sie werden vor allem bei BRCA-mutierten Tumoren eingesetzt — etwa bei bestimmten Eierstock- und Brustkrebsformen.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Ist ein PARP-Inhibitor für meinen Tumor geeignet?

  • Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

  • Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Behandlung

Begriffe rund um die Organisation und Planung der Behandlung.

Best Supportive Care

Bestmögliche unterstützende Versorgung ohne tumorgerichtete Therapie

Best Supportive Care bezeichnet die bestmögliche unterstützende Versorgung, bei der nicht der Tumor selbst behandelt wird, sondern ausschließlich die Beschwerden gelindert werden — etwa Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit. Ziel ist die bestmögliche Lebensqualität. Es ist eine bewusste, gemeinsam getroffene Entscheidung.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Was bedeutet Best Supportive Care konkret für mich?

  • Welche Beschwerden können gelindert werden?

  • Wie wird sichergestellt, dass es mir möglichst gut geht?

Kurativ

Behandlung mit dem Ziel der Heilung

Kurativ bedeutet, dass die Behandlung auf Heilung abzielt — also auf die vollständige Beseitigung des Tumors und aller Zellen, die einen Rückfall verursachen könnten. Das Gegenteil ist die palliative Behandlung, die auf Linderung statt Heilung zielt. Ob eine kurative Behandlung möglich ist, hängt stark vom Stadium ab.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Ist meine Behandlung kurativ oder palliativ ausgerichtet?

  • Was sind die Voraussetzungen für eine kurative Behandlung in meinem Fall?

  • Was bedeutet das konkret für meine Prognose?

Nachsorge

Regelmäßige Kontrollen nach Abschluss der Behandlung

Die Nachsorge umfasst regelmäßige Untersuchungen nach Abschluss der eigentlichen Krebsbehandlung. Ziel ist es, ein mögliches Wiederauftreten (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen, Nebenwirkungen zu behandeln und die Lebensqualität zu unterstützen. Die Abstände werden mit der Zeit meist größer.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Wie sieht mein Nachsorgeplan aus?

  • Welche Untersuchungen werden wann gemacht?

  • Worauf sollte ich zwischen den Terminen achten?

Supportivtherapie

Begleitende Behandlung zur Linderung von Beschwerden

Supportivtherapie umfasst alle Maßnahmen, die Nebenwirkungen der Krebstherapie lindern und die Lebensqualität verbessern — ohne direkt gegen den Krebs zu wirken. Dazu gehören Schmerzmittel, Mittel gegen Übelkeit, psychologische Unterstützung und Ernährungsberatung.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Welche supportiven Maßnahmen sind für mich geplant?

  • Kann ich mehr Unterstützung bekommen wenn die Nebenwirkungen stark sind?

  • Gibt es eine psychoonkologische Begleitung in meiner Klinik?

Tumorboard

Expertenkonferenz verschiedener Fachärzte zur Therapieplanung

Ein Tumorboard ist eine regelmäßige Konferenz, bei der Spezialisten verschiedener Fachrichtungen — Onkologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten, Pathologen und andere — gemeinsam über die beste Behandlung für einzelne Patient:innen entscheiden. Es gilt als Goldstandard der Krebsbehandlung.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Wird mein Fall im Tumorboard besprochen?

  • Welche Fachärzte sind an der Entscheidung beteiligt?

  • Kann ich die Empfehlung des Tumorboards erfahren?

Zyklus

Behandlungseinheit aus Therapiephase und Erholungsphase

Ein Zyklus ist eine Behandlungseinheit, die sich wiederholt. Bei der Chemotherapie besteht ein Zyklus typischerweise aus einer Phase mit Medikamentengabe und einer anschließenden Erholungsphase, in der sich der Körper regenerieren kann. Eine Therapie umfasst meist mehrere Zyklen.

Fragen, die du stellen kannst:

  • Aus wie vielen Zyklen besteht meine Therapie?

  • Wie lange dauert ein einzelner Zyklus bei mir?

  • Was passiert in der Erholungsphase zwischen den Zyklen?

Weitere Artikel aus der Reihe:

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Für verlässliche, geprüfte medizinische Informationen empfehle ich den kostenlosen Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (Telefon 0800 420 30 40, täglich 8–20 Uhr) sowie die Deutsche Krebshilfe.

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Tumor-Eigenschaften verstehen: HER2, Ki-67, Rezeptorstatus und Genetik einfach erklärt